Ungeduld versus Akzeptanz
Akzeptanz bedeutet, dass das eigene Handeln nicht darin besteht, das, was ist zu bekämpfen, sondern vielmehr zu hinterfragen, welche Haltung man gegenüber der Situation einnimmt. Denn die Bedeutung der Situation existiert lediglich in den eigenen Gedanken. Wenn man akzeptiert, sich abfindet mit etwas, dann hat man die Möglichkeit sich ganz gelassen darauf zu konzentrieren, was man ändern kann und sich zu fragen: Wozu werde ich aufgefordert? Was kann ich tun? In der Akzeptanz liegt wesentlich mehr Handlungsspielraum als im Widerstand. Wenn man sich der eigenen Rückenkrankheit widersetzt, bleibt einem nur der Kampfmodus. Energie folgt immer unserer Aufmerksamkeit, das bedeutet, wir vergrößern, wenn wir kämpfen immer das, was wir nicht wollen! Wenn man Krankheit hingegen akzeptiert, was nicht automatisch bedeutet, dass man sie gutheißt, öffnet man sich für verschiedene Handlungsoptionen. Man tritt quasi einen Schritt zurück und betrachtet die Situation von außen, ganz objektiv.
In dieser Betrachtung wird man erkennen, dass es zu spät ist für Widerstand, die Krankheit ist ja bereits da. Die Aufgabe besteht jetzt eher darin, auszuloten, welche Möglichkeiten man hat, die Situation für sich zu verbessern. Die Akzeptanz des Unvermeidlichen basiert immer auf Freiwilligkeit. Akzeptanz bedeutet, das Leben anzunehmen. Warum fällt uns das nur so schwer? Für die meisten Menschen gleicht es einem Alptraum, die Kontrolle über sich und das eigene Leben zu verlieren. Dieses starke Gefühl von Kontrollverlust bringt eine Rückenerkrankung aber zwangsläufig mit sich: Unser Alltag wird komplett auf den Kopf gestellt, nichts ist mehr so wie vorher. Diese Ohnmacht verstärkt Ängste, Unsicherheiten und ein Gefühl des Versagens. Bevor ich akzeptierte, was mit mir geschah, habe ich mich gewehrt. Ich wollte die Kontrolle behalten und alles richtig machen. Auch in der Selbstreflexion konnte ich eins lange nicht, loslassen. Ich fand meine Situation ungerecht, ich war ungeduldig und haderte mit mir und dem Leben. Dieser Widerstand hat mich enorm viel Kraft gekostet und als ich schließlich akzeptierte, wie und warum alles so gekommen ist, spürte ich einen regelrechten Energieschub! Was für ein befreiender Moment.
Akzeptanz dessen, was ist, bedeutet, sich bewusst dafür zu entscheiden nicht dagegen zu sein. Offen zu bleiben für das, was im Leben passiert und es neugierig in Augenschein zu nehmen. Versuch mal aus dieser Perspektive auf Krankheit zu schauen. Der Schmerz will Dir etwas mitteilen, was Du zuvor nicht sehen wolltest. Die Krankheit gibt Dir die Richtung vor. Das ist doch interessant, oder? Auch wenn der Gedanke für Dich, unter Schmerzen leidend, zunächst abwegig scheint, lass ihn mal zu. Es stellt sich nämlich ein schöner Nebeneffekt ein, die emotional aufgeladene Bewertung der eigenen Situation in der Krankheit wird etwas versachlicht und gleichzeitig hat dieser Gedanke, dass es sich bei Deiner Krankheit um eine interessante Wendung im Leben handeln kann, auch etwas Liebevolles. Wenn Du es ausprobierst und aus Deinem Kampfmodus rauskommst, wirst Du schnell feststellen, wie gut es Dir tut.
Widerstand schwingt energetisch auf einer ganz anderen Frequenz als Akzeptanz und das wirkt sich unmittelbar auf Dein Wohlbefinden aus. Probleme und auch Schmerzen verlieren an Kraft, wenn man aufhört, sie mit so viel unguter Energie zu befeuern. Jeder der Schlafstörungen kennt, weiß, dass es nichts nützt, das Wachsein zu fürchten und das ständige Aufwachen in der Nacht zu verfluchen. Aber es kann helfen, wenn man akzeptiert, dass man derzeit nun mal nachts wach liegt und versucht, das Beste aus der Situation zu machen. In vielen Fällen hat sich das Schlafproblem danach erledigt. Wie aus einem angestochenen Ballon Luft entweicht, entweicht auch die Anspannung in der jeweiligen Situation und sie löst sich in Wohlgefallen auf. Sich um die eigentliche Ursache zu kümmern ist dann die nächste Aufgabe.
Hab bei alledem Geduld! Unsere Ungeduld verstärkt die Situationen, in denen wir uns befinden ausschließlich negativ. Ungeduld erzeugt Stresssymptome in unserem Körper und diese wirken sich schlecht auf unsere Gesundheit aus. Es gibt keinen positiven Aspekt von Ungeduld, auch wenn das in Bewerbungsgesprächen gerne als „positive“ Schwäche oder sogar als Tugend verkauft wird und ausdrücken soll, dass wir ehrgeizig und zielstrebig sind. Das ist aber gelinde ausgedrückt, Quatsch. Denn ein ungeduldiger Mensch kann seine Ziele nicht wirklich erreichen, weil er das Wesentliche nicht verstanden hat. Nämlich dass man, um in etwas besser zu werden, geduldig sein muss. Wer ungeduldig ist, der will sofort Ergebnisse, ansonsten steigt von jetzt auf gleich die Frustration. Ungeduld verlangt, dass sich alles schnell und einfach lösen lässt, dass die Umstände andere sind, als sie wirklich sind. Das ist ein sehr kindisches Verhaltensmuster. Und diese Forderungen sind außerdem irrational! Ungeduld entsteht im Kopf und überträgt sich auf unsere Gefühle. Um Ungeduld den Garaus zu machen, solltest Du bei Deinen Gedanken ansetzen, indem Du ganz sachlich die Gefühle wie Wut, Frust oder Schuldzuweisung einmal rauslässt und Dir dann klarmachst, dass ein Baum auch nicht schneller wächst, nur weil Du es forderst.
Begleitet wird Ungeduld von Zuständen, die wir alle nur zu gut kennen: Du fühlst Dich angespannt, bist innerlich unruhig, Du kannst Dich nicht gut konzentrieren, bist gereizt, genervt oder lustlos, Du kritisierst andere, Du zweifelst an Dir, Du machst Vorwürfe, Du verlierst die Hoffnung, Du kämpfst oder arbeitest verbissen an etwas, Du isst zu viel oder konsumierst zu viel Alkohol, Medikamente o.ä.
Ich selbst habe immer wieder ein Problem mit der Ungeduld, wie ich eingangs sagte, gerade im Moment fällt es mir auf, dass ich sehr unter Strom stehe und gereizt reagiere. Das gefällt mir nicht und tut mir auch nicht gut. Ich übe mich also in Gelassenheit, auch wenn es mir nicht immer leicht fällt. Wie ich das mache, erfährst Du am Ende dieser Sendung. Die Geduld ist also ein enger Begleiter von Akzeptanz. Ohne sie ist es unmöglich, eine Situation, ein Ereignis, eine Reaktion anzunehmen. Wir stoßen ständig an unserer Grenzen und tun uns doch so schwer damit, einzusehen, dass wir viel mehr erreichen könnten, wenn wir akzeptieren.
Und im Prozess der Akzeptanz nehmen wir nicht nur an, was passiert, sondern auch unsere Reaktion darauf. Das ist ein spannender Ansatz, mehr über sich selbst zu erfahren. Denn nicht selten reagieren wir im Nachhinein erschreckt auf unvorhergesehene Reaktionen unsererseits. Wo kommt plötzlich meine Aggressivität her, wenn ich an der Kasse im Supermarkt in der Warteschlange stehen muss? Genauer hinzusehen, was der eigentliche Grund für unsere Reaktionen ist, ist aufschlussreich, schult uns gleichzeitig in unserer Eigenwahrnehmung und macht uns stärker und gelassener für künftige unvermeidliche Ereignisse im Leben, die wir ebenfalls um unserer selbst Willen annehmen sollten. Krankheit und Schmerz zu akzeptieren ist ein bedeutsamer Schritt im Heilungsprozess. Die echte, schonungslose Akzeptanz von Krankheit hat etwas Befreiendes und verhindert Leid. Wir leiden, wenn wir partout nicht akzeptieren können, dass etwas eingetreten ist, was wir absolut nicht wollen wie Krankheit oder eine Trennung. Aus der Weigerung zu akzeptieren entsteht unvermeidlich Leid. Und versinkt man erstmal in Leid, ist es schwer zu handeln, es ist sogar oft ein Ding der Unmöglichkeit. Man steckt wortwörtlich im Sumpf seines Leids fest. Anzunehmen heißt aber nicht, die Hände in den Schoß zu legen. Im Gegenteil, die freigewordene Energie lässt sich gut dorthin lenken, wo wir verändern können! Und das ist auch in Krankheit oder bei einem Verlust eine Menge, wenn wir bereit sind Verantwortung zu übernehmen.